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Dänische Traditionen

Die Dänen – jedenfalls die meisten von ihnen – feiern im Laufe des Kalenderjahres eine Vielzahl von besonderen Tagen; dabei handelt es sich sowohl um kirchliche Feiertage als auch um Festtage, die auf andere Wurzeln, z.B. in der Volkskultur, zurückgehen. An viele dieser Tage knüpfen sich bestimmte Traditionen: was man isst, wie man schmückt oder wie man das Ereignis zusammen mit Familie und Freunden feiert

Danish Traditions

 

6. Januar - Heilige Drei Könige

Das Fest der Heiligen Drei Könige wurde 1770 als offizieller Feiertag abgeschafft. Den Abend zuvor, den Heilige Drei Könige-Abend, am 5. Januar, begeht man jedoch in einigen Familien, indem man eine besondere Heilige Drei Könige-Kerze anzündet, eine Kerze mit drei Flammen, bei der es nach dem Abbrennen einen Knall gibt. Wenn diese Kerzen sozusagen von selbst erlöschen, symbolisiert dies das Ende der Weihnachtszeit. An vereinzelten Orten in Dänemark wird der Abend immer noch mit Umzügen gefeiert, wobei die Leute sich verkleiden und von Haus zu Haus ziehen.

14. Februar - Valentinstag

Inspiriert von der amerikanischen Tradition begann man in Dänemark Anfang der 1990er Jahre, den Valentinstag als großen Tage der Liebe zu begehen. Dabei sind es in erster Linie junge Menschen und Verliebte, die diesen Tag zum Anlass nehmen, sich gegenseitig ihre Liebe zu zeigen. Herzen aus Blumen, Schokolade, Teigwaren oder Gebäck sind nur einige wenige Beispiele für die vielen Möglichkeiten, unter denen man wählen kann.

Februar/März - Fastnacht/Karneval

Die Fastnacht fällt von Jahr zu Jahr auf verschiedene Zeiten, da sie – in Erinnerung an die Zeit, als Dänemark noch katholisch war – 40 Tage vor Ostern beginnen muss. Der Fastnachtssonntag kann daher frühestens auf den 1. Februar und spätestens den 7. März fallen. Mehr lesen 

März/April - Ostern

Ostern ist das Fest der christlichen Kirche, mit dem man des Todes und der Auferstehung Jesu gedenkt. Mehr lesen

1. April - Aprilscherze

Wie in vielen anderen Ländern halten sich auch in Dänemark die Leute am 1. April mit erfundenen Geschichten u.ä. zum Narren. Auch die großen Massenmedien haben den bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Brauch übernommen, und daher gilt es, am 1. April auch bei der Zeitungslektüre und beim Fernsehen auf der Hut zu sein.

Ein entsprechender Brauch wurde vor allem früher auch an anderen Tagen gepflegt, z.B. am 1. und 31. Mai (Maikatze) und am Rosenmontag (Faschingsnarr).

30. April - Walpurgisnacht

Der Walpurgis-Tag (1. Mai) verweist auf die englische Heilige Walburga, die dem Volksglauben zufolge die Menschen vor Zauberei und Hexerei beschützte. Am Vorabend, dem Walpurgisabend, feierte man besonders früher auf unterschiedliche Weise das Nahen des Sommers, wobei u.a. große Festfeuer entzündet und Maibäume aufgestellt wurden, um die man herum tanzte. An einigen Orten in Dänemark werden an diesem Abend auch heute noch Festfeuer entzündet.

April/Mai - Buß- und Bettag

Der Buß- und Bettag (Store Bededag) ist ein besonderer dänischer Feiertag, der auf den vierten Freitag nach Ostern festgelegt ist, d.h. frühestens den 17. April und spätestens den 21. Mai. Sowohl am Vorabend als auch am Buß- und Bettag selbst isst man warme Wecken, und besonders in Kopenhagen war es üblich, einen Spaziergang an der Langelinie, auf den Wällen von Christianshavn oder im Kastell zu machen, wo sich auch Studenten versammelten und sangen.

1686 wurde der Buß- und Bettag in Dänemark gesetzlich festgelegt, und damit wurden mehrere auch nicht so bedeutende Fasten- und Bußtage zusammengefasst. Laut Gesetz mussten jeglicher Handel, Arbeit usw. ruhen. Deshalb kamen die Bäcker auf die Idee, Weizenbrötchen zu backen, die aufgebacken und auch einen Tag später verzehrt werden konnten. Nach und nach wurde es im ganzen Lande üblich, die warmen Wecken am Abend des Buß- und Bettags zu essen.

Der Festtag musste bereits am Vorabend durch das Läuten der Kirchenglocken angekündigt werden. Der Spaziergang auf dem Wall, dem Christianshavn Vold, um die Glocken läuten zu hören, ist eine spezielle Kopenhagener Tradition, die bis in das Jahr 1747 zurückgeht, als „Vor Frues Kirke" (die Kirche unserer Lieben Frau) ein neues Glockenspiel erhielt.

Mai - Muttertag

Den Muttertag feiert man in Dänemark am zweiten Sonntag im Mai. Seiner Mutter an diesem Tag eine Freude zu machen, z.B. mit einem Blumenstrauß, ist seit 1929 eine weit verbreitete Gepflogenheit. Der Brauch, der ursprünglich einen sozialen Aspekt hatte, stammt aus den USA. 

1. Mai

Der 1. Mai ist der internationale Kampf- und Festtag der Arbeiter und an vielen Arbeitsplätzen zugleich ein freier Arbeitstag. In vielen Städten kommt man – evtl. nach einem Umzug – am frühen Nachmittag zu Veranstaltungen zusammen, die eine Mischung aus Volksfest, politischen Ansprachen und Unterhaltung darstellen. Die größte Veranstaltung findet im „Fælledparken" in Kopenhagen statt. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Tag allerdings mehr zu einem Feiertag entwickelt und ist kein Kampftag mehr wie früher. 

5. Mai - Befreiung Dänemarks

Nachdem das Land am 9. April 1940 von Deutschland besetzt worden war, wurde Dänemark am 5. Mai 1945 wieder befreit. Als die Freiheitsbotschaft am 4. Mai 1945 um 20.30 Uhr von der BBC ausgestrahlt wurde, stellten viele Menschen in Dänemark spontan Kerzen in die Fenster. Daraus entwickelte sich ein Brauch, den viel Dänen auch heute noch pflegen.

Mai/Juni - Pfingsten

Pfingsten ist ein kirchliches Fest, mit dem des Erscheinens des Heiligen Geistes und der Gründung der Kirche gedacht wird. Außerdem ist mit dem kirchlichen Pfingstfest auch das Erwachen der Natur verbunden. Pfingsten wird 50 Tage nach Ostern gefeiert, d.h. frühestens am 11. Mai und spätestens am 14. Juni.

Auch wenn es eigentlich der Ostermorgen ist, wenn die Sonne aus Freude über die Auferstehung Jesu „tanzt", so ist es doch der Pfingstmorgen, der sich – wahrscheinlich aufgrund der jahreszeitlich bedingten Wetterverhältnisse – in Dänemark als der Morgen eingebürgert hat, wo man in Dänemark die Sonne „tanzen" sehen soll. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die verbreitete Tradition, nach den Festlichkeiten am Pfingstsamstag und in der Nacht zum Pfingstsonntag entweder gar nicht zu Bett zu gehen oder früh aufzustehen, um seinen morgendlichen Kaffee und vielleicht dazu einen Magenbitter (einen typischen „Gammel Dansk") in der Nähe der Örtlichkeiten einzunehmen, von wo aus man die Sonne aufgehen sehen konnte.

Pfingsten wurde auch als Gelegenheit für Waldspaziergänge und andere Ausflüge genutzt, besonders von den Arbeitern in den Städten, die in die Natur hinausgingen, um dort das Nahen des Sommers erleben zu können. Auf dem Lande sollten die Häuser bis Pfingsten gekälkt sein, und mancherorts veranstaltete man sogenannte „Sommer in der Stadt"-Feste.

In Kopenhagen veranstaltete man in den letzten Jahrzehnten einen Pfingst-Karneval, zu dem man sich verkleidete und in Umzügen zu Samba-Rhythmen durch die Stadt zog, um sich anschließend in einem der Parks der Stadt zu versammeln.  

5. Juni - Verfassungstag

Der 5. Juni ist der Jahrestag des Inkrafttretens der ersten dänischen Verfassung, der Juniverfassung von 1849. An diesem Tag, der an vielen Orten im Lande ein ganzer oder halber arbeitsfreier Tag ist, wird landesweit mit politischen Treffen gefeiert, die vor allem früher den Charakter von Volksfesten hatten, wie z.B. die auf dem Himmelbjerget oder auf der Skamlingsbanken in Jütland. Der 5. Juni ist in Dänemark gleichzeitig auch Vatertag, der 1935 aus den USA eingeführt wurde.

15. Juni - Waldemarstag

Der Sage zufolge fiel an diesem Tage die dänische Nationalflagge, der Dannebrog, bei Lyndaniz in Estland vom Himmel, wo der dänische König Valdemar II. (der Sieger) im Jahre 1219 einen Kreuzzug gegen die heidnischen Wenden führte. Seit 1913 ist dieser Tag in Dänemark Nationalfeiertag, an dem kleine Dannebrog-Fähnchen verkauft werden. Bis 1948 gab es an diesem Tag auch schulfrei, und im ganzen Lande feierte man Valdemar-Feste. 

23. Juni - Johannisabend

„Sankt Hans Aften", der Abend vor Johannis, dem Geburtstag Johannes des Täufers, ist zu einem der beliebtesten Gedenktage des Kalenderjahres geworden.  Mehr lesen

November - Allerheiligen

Allerheiligen, das am ersten Sonntag im November begangen wird, war ursprünglich ein Gedenktag für die verstorbenen Heiligen, der auf den 1. November fiel. Dieser Tag überlebte die Reformation, wurde aber von den Protestanten mit dem Fest Allerseelen (2. November) zusammengelegt. 1770 wurde der Tag als staatlicher Feiertag abgeschafft, blieb aber weiterhin ein kirchlicher Feiertag am ersten Sonntag im November. In den letzten Jahren ist es in vielen Kirchen üblich geworden, am gleichen Tag den in dem betreffenden Jahr Verstorbenen zu gedenken. Zunehmend Verbreitung findet der Brauch, am Vorabend vor Allerheiligen auf den Gräbern Kerzen zu entzünden. Dies gilt auch für das amerikanische Halloween, bei dem sich die Kinder als Gespenster o.ä. verkleiden, durch die Straßen ziehen und an den Türen klingeln, ähnlich wie zu Fastnacht. Wird die Tür geöffnet, sagen sie „trick or treat". Wenn sie keinen Kuchen oder kein Geld bekommen, machen sie Krawall – wie zu Fastnacht.

10. November - Sankt Martin

Sankt Martin (Mortens Aften) ist der Vorabend zum Gedenktag des Heiligen Martin. Bei vielen Dänen kommt an diesem Abend Enten- oder Gänsebraten auf den Tisch. Der Legende zufolge wurde Martin vom Geschnatter einiger Gänse verraten, als er sich aus Bescheidenheit verbarg, um seiner Ernennung zum Bischof zu entgehen. Er verfügte daher, dass die Gänse jedes Jahr an diesem Tag, dem 11. November, ihr Leben lassen müssten, um verspeist zu werden.

Der Weihnachtsmonat

Der Monat Dezember steht ganz im Zeichen des Weihnachtsfestes. In den meisten Städten sind die Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen mit Tannengirlanden und Lichtern geschmückt.  Mehr lesen

Silvester/Neujahr

Im Gegensatz zum Weihnachtsfest, das die Meisten im Kreise der Familie begehen, wird Silvester (Nytår) mit Freunden gefeiert. Der Silvesterabend wird von zwei wichtigen Sendungen eingerahmt, die von Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlt werden, und zwar die Neujahrsansprache der dänischen Königin um 18.00 Uhr und der Beginn des Neuen Jahres, wenn die Uhr des Kopenhagener Rathauses 24.00 Uhr schlägt.

Seit der ersten Neujahrsansprache eines dänischen Monarchen, als der König 1942 während der Besetzung zum Zusammenhalt mahnte, hat sich die Ansprache inzwischen fast zu einem nationalen Ereignis entwickelt.

Viele Dänen feiern den Beginn des neuen Jahres um 24.00 Uhr in unterschiedlicher Form, mit gutem Essen, Sekt und „kransekage", eine Art Baumkuchen aus Mandelteig. Das Neue Jahr wird zur Mitternacht mit Feuerwerk begrüßt, u.a. mit lärmenden Böllern und Raketen, die den nächtlichen Himmel in allen möglichen Farben erhellen.

Vielerorts im Lande besteht das traditionelle Silvester-Menü aus gekochtem Dorsch, dem sogenannten Silvester-Dorsch, oder aus legiertem Grünkohl und Kasseler. Für beide Gerichte ist charakteristisch, dass sie im Gegensatz zu den Weihnachtsgerichten kalorienärmer sind.

Die Späße und Scherze, die sich traditionell an einen Übergang knüpfen, so wie hier, beim Beginn eines neuen Jahres, sind nahezu ebenso verschwunden wie es auch die engen Beziehungen zwischen Nachbarn kaum mehr gibt. Ein Relikt der Verkleidung, die zu einigen dieser Scherze gehörte, sind die Hüte, die, wie auch die Luftschlangen und Ballons, zur traditionellen Silvester-Dekoration gehören.


Else Marie Kofod, Gyldendal Leksikon